LITECAR / HTL Linz


Linz # Der erste Eintrag in der neuen Stromfahren-Rubrik "Projekte in Österreich" ist dem HTL Linz/Litec gewidmet. Im Mai wurde das Team von Elektrotechnikern und Maschinenbauern rund um Fachlehrer DI Alfred Mair mit dem TÜV Austria Wissenschaftspreis 2012 in der Kategorie "Berufsbildende höhere Schulen" ausgezeichnet.

Fächerübergreifend arbeiteten acht Schüler (mit Unterstützung ihrer Lehrer) an der Entwicklung eines Elektroautos. Alle Komponenten sollten, so die Vorgaben – soweit möglich – auf dem Markt bereits in Serie verfügbar sein. Als Forschungsprojekt sollte es sich schließlich um eine anwendungs-orientierte Entwicklung handeln. Die Baugruppen des zu planenden und zu bauenden Elektroautos sollten so konstruiert werden, dass die Erfahrungen beim Bau von künftigen Serienfahrzeugen für den Stadtverkehr zur Verwendung kommen können.



Unter dem Projektnamen "LITECAR" (zusammengesetzt aus LITEC und CAR) machten sich die Maschinenbauer und Elektrotechniker aus den Klassen 5CHMIM, 4AFMBM und 5AHETE ans Werk. Sie recherchierten, welche Teile bereits in Serie verfügbar sind und legten mit dem Ergebnis erste Entwürfe vor. Man entschloss sich, einen leichten aber sehr stabilen Rahmen aus einer Aluminiumlegierung zu fertigen und eine hochmoderne aufladbare LiFePO4-Batterie zu verwenden, um dem Fahrzeug eine Reichweite von 100 Kilometer und ansprechende Fahrleistungen zu gewährleisten.

Als die in Frage kommenden Lieferanten vom Vorhaben der Studenten erfuhren, waren sie begeistert. Teilweise wurden sogar teure Bestandteile wie die Batterie mit dem Lademanagement (Wert: 10.000 Euro) oder der Elektromotor samt Steuerung, Screen und Zahnriemenantrieb (Wert 16.000 Euro) gratis beigestellt oder zu einem Sonderpreis abgegeben. Auch beim Schweißen der Aluminiumteile zum fertigen Rahmen war ein Betrieb mit seinem Know-how hilfreich.

Insgesamt belaufen sich die reinen Materialkosten auf etwa 30.000 Euro. Die Entwicklungs- und Arbeitszeit der Studenten summierte sich auf etwa 3.350 Stunden. Die Zeit der betreuenden Professoren ist in dieser Aufstellung nicht enthalten.Bei der Diplomarbeit handelt es sich um ein Forschungsobjekt mit anwendungsorientierter Entwicklung. Das, was die Studenten im Unterricht gelernt haben, sollte in die Entwicklung und in den Bau des LITECARs einfließen. Dazu zählen die im Unterricht erworbenen Kompetenzen im Maschinenbau und in der Elektrotechnik, die Berechnung und Auslegung der Komponenten nach Industriestandard sowie die Fertigung. Auch die Simulation der mechanischen Komponenten mit FEM wurde im Unterricht erlernt. Der Einstieg in die Elektromobilität ist damit beeindruckend gelungen.



Das LITECAR ist ein Zweisitzer ohne Dach und ohne Windschutzscheibe. Es wiegt 550 Kilogramm und beschleunigt mit seinem Motor, der kurzfristig bis zu 30 kW abgibt, wie ein flotter Stadtflitzer mit etwa 80 PS, wobei kein Schaltvorgang nötig ist. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt in der gewählten Übersetzung 75 Stundenkilometer. Für höhere Geschwindigkeiten müsste eine andere Übersetzung gewählt oder ein einfaches Schaltgetriebe eingebaut werden. Das Batteriesystem liefert 6,4 Kilowattstunden bei einer Spannung von 320 Volt. Das Fahrzeug bewältig 20 Prozent Steigung und kommt mit einer Batterieladung 100 Kilometer weit.

Auch die nächsten Jahrgänge des LITEC werden sich mit dem Elektromobil befassen

Es sollen Radnabenmotoren entwickelt, ein schneller Austausch von Batteriesystemen ermöglicht und alternative Energiequellen für die Ladestation verwirklicht werden. Auch die Effizienz soll noch verbessert werden. Ein besonderer Dank gilt den Partner in der Wirtschaft, die das Projekt großzügig unterstützt haben. Dazu zählen die Firmen: Lenze (Antriebstechnik), Faktor (Batteriesysteme) Pilz (Sicherheitstechnik) und LAPP (Kabel und Steckverbindungen).



Der Amtsführende Präsident des LSR Fritz Enzenhofer sieht in der Diplomarbeit einen weiteren Beweis für die gelungene Bildungsoffensive der vergangenen Jahre. Gerade bei den technischen Lehranstalten gelang es mit Hilfe des Landes OÖ, das beim Schulbau in vielen Fällen in Vorleistung getreten ist, eine Vielzahl zusätzlicher Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Die Projekt- und Diplomarbeiten der Studenten werden vielfach international anerkannt, die Absolventen sind sowohl in Österreich als auch international sehr begehrte Spitzenkräfte.


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[quelle: LSR OÖ, HTL Linz/litec, stromfahren]